Auftakt

Schulentwicklung als Kontinuum

Dieses Workbook bündelt die zentralen Inhalte aus der Veranstaltungsreihe „Wirksame Schulentwicklung“ auf dem Campus des Deutschen Schulportals, veranstaltet von der Robert Bosch Stiftung und Dennis Sawatzki vom Institut für Schulentwicklung und Hochschuldidaktik. Es fasst Wissen zusammen, gibt Impulse zum Nachdenken und bietet Platz für konkrete Planung — entlang des roten Fadens Ziele → Maßnahmen → Evaluation.

Worum es geht

„Wir haben kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem.“ Schulentwicklung ist kein Happening, sondern ein Prozess — und zwar weder Sprint noch Marathon, sondern ein Kontinuum. Die größte Konstante in Schule ist die permanente Veränderung.

Der Dreischritt bildet einen Zyklus, der sich immer wieder schließt und neu beginnt:

  • Ziele setzen — wirksame Schulentwicklung ausrichten (das Wozu & Was).
  • Maßnahmen definieren & steuern — die Umsetzung organisieren (das Wie).
  • Qualität durch Evaluation — Wirkung sichern und daraus neue Ziele ableiten.
Schulentwicklung als Kontinuum – Datenerhebung, Datenauswertung, Steuerung, Vorhaben, Umsetzung, Ziele, Prioritäten, Maßnahmen
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Why · How · What

Der Golden Circle (Simon Sinek) trennt Ebenen: Warum tun wir das alles (Grund/Zweck)? Wie lauten unsere Ziele? Was machen wir genau? Erst das Warum, dann Ziele, dann Maßnahmen.

Ziel ≠ Maßnahme

Ein Ziel beschreibt einen angestrebten Zukunftszustand. Eine Maßnahme ist eine Handlung, um ein Ziel zu erreichen. „Vor den Maßnahmen kommt das Maßnehmen.“

Veränderungsgrad

Sprechen wir von Veränderung (Change) oder Transformation (Wandel)? Wie viel Veränderung „verträgt“ unsere Schule? Was wollen wir bewahren, was innovieren?

So nutzen Sie dieses Workbook

Jedes Kapitel folgt demselben Aufbau: Info & Wissen (Kerninhalte zum Nachlesen), Reflexion & Impuls (Leitfragen und Notizfelder) und Planung & Checkliste (Werkzeuge zum Ausfüllen). Alle Eingaben werden automatisch in Ihrem Browser gespeichert. Über Export sichern Sie sie als Datei — ideal, um sie im Team (Schulleitung, Steuergruppe, Schulentwicklungsteam) zu teilen. Über die Lernstrecke (oben rechts) frischen Sie Ihr Wissen mit kurzen Infoschüben und Quizfragen auf.

Kapitel 1

Ziele setzen — Schulentwicklung ausrichten

Bevor Ziele entstehen, lohnt der Blick auf Anlass, Beteiligung und Datengrundlage. Gute Ziele stiften Orientierung, ebnen den Weg von Gruppen zu Teams und entfalten handlungsleitende Wirkung.

Info & Wissen

1 · Bevor wir Ziele setzen

Anlass vs. Anliegen
Anlass: Wer oder was hat uns veranlasst, das Thema „Ziele“ auf die Agenda zu setzen? Anliegen: Was liegt gerade besonders an — und um wessen Anliegen handelt es sich (Schulleitung, Kollegium, Schülerschaft)?
Partizipationsgrad
„Wer Betroffene zu Beteiligten macht, gewinnt Verbündete.“ (Wright et al.) Früh klären, wer in welcher Form mitgestaltet.
Veränderungsgrad & BODI
Wie viel Veränderung verträgt die Schule? Verhältnis aus Bewahren, Optimieren, De-implementieren und Innovieren klären — Platz schaffen für Neues.
Datengrundlage
Was wissen wir — und was glauben wir nur zu wissen? Lernstände/Diagnostik (VERA, HSP), externe Evaluation (QA, IQB, PISA), interne Umfragen (COPSOQ, IQES), qualitative Interviews.
Das Why klären
Übergeordneter guter Grund (Warum) und Zweck (Wozu gibt es uns als Schule/Gremium?) — ein Aushandlungsprozess, der immer wieder aktualisiert wird.
Weitere Zugänge
Wunderfrage (de Shazer), Theorie U (Scharmer), Delegationsstufen (Appelo), Kohärenzgefühl (Antonovsky), Kreativitätstechniken (Design Thinking, Zukunftswerkstatt …).

2 · Um Ziele zu setzen

Ziele sind konkreter als Wünsche, aber übergeordneter als Maßnahmen und To-dos. Sie sind Sollensansprüche mit handlungsleitendem Charakter, können top-down und bottom-up entstehen und benötigen Commitment und Ressourcen. Wegen der hohen Komplexität sind sie oft eher Landezonen bzw. Annäherungsziele. Nicht jedes Ziel muss SMART sein — die daraus abgeleiteten Maßnahmen sehr wohl.

Fünf Formulierungshilfen

  • Vollständige Sätze statt Spiegelstriche — reduziert Interpretationsspielraum.
  • Selbsterklärend, nicht konsekutiv aufeinander aufbauend — erhöht Operationalisier- und Messbarkeit.
  • Indikativ Präsens, aus der bereits erreichten Zukunft — erzeugt „Sogwirkung“.
  • Positiv formuliert, ohne „nicht“/„kein“ — es geht um das Stattdessen.
  • Aktiv formuliert, ohne anonyme Passivkonstruktionen — erhöht Identifikation.
Gutes Leitziel„Wir übergeben Verantwortung schrittweise an die Schüler:innen in Form eines Stufenmodells zur Gestaltung ihres Handelns.“
Maßnahme als Ziel getarnt (vermeiden)„Wir bilden eine Arbeitsgruppe zum Thema Klassenrat.“ — das ist eine Handlung, kein angestrebter Zustand.
Differenziertes Ziel mit Strategie„Wir übergeben Schüler:innen Verantwortung [Ziel], indem sie projekt- und problemorientiert an lebensweltnahen Aufgaben arbeiten [Strategie/Maßnahme].“

3 · Nachdem wir Ziele gesetzt haben

Wer Ziele setzt und sie sich dann selbst überlässt, erspart sich besser gleich Zeit und anderen den Frust. Es folgen Priorisierung und Kommunikation:

Now-How-Wow

Now! sofort machbar · How? innovativ, aber schwer · Wow! innovativ und einfach → priorisieren.

Action-Priority

Schlüsselaufgaben, Quick Wins, undankbare Aufgaben, Lückenfüller — nach Wirkung und Aufwand sortieren.

Konsent-Prinzip

Abwesenheit schwerwiegender Einwände: gut und sicher genug, um es auszuprobieren — schnelle Wege mit Mitbestimmung.

Übergang: Transparenz über Ziele schaffen, Arbeits- und Steuergruppen öffnen, Ist-Stand bestimmen — und daraus Maßnahmen ableiten (→ Kapitel 2).
Reflexion & Impuls

Leitfragen

Mitschrift

Planung & Checkliste

Ziel-Canvas

Arbeiten Sie die Felder im Team durch (Schulleitung, Steuergruppe, Schulentwicklungsteam). Felder 1–5 schärfen das Ziel, Felder 6–8 die Handlungsplanung.

Zielformulierungs-Helfer

Verbinden Sie Ziel und Maßnahme syntaktisch — Ziele mit „um zu“, Maßnahmen mit „indem“.

Wir stärken …
Ziele und Canvas auch digital bearbeiten: ISH-Schulentwicklungs-Tools (tools.ish-gruppe.de)

Checkliste · Gute Zielformulierung

Kapitel 2

Maßnahmen definieren & steuern

Eine Maßnahme ohne Ziel ist blinder Aktionismus, ein Ziel ohne Maßnahme Phrasendrescherei. Hier geht es um die saubere Ableitung, Priorisierung, Verantwortung und Steuerung der Umsetzung.

Info & Wissen

1 · Konzeptionelle Klärung

Sprachschablonen schaffen Klarheit: Ziele lassen sich mit „um zu“ formulieren, Maßnahmen mit „indem“.

induktiv„Wir etablieren wöchentliche Lernentwicklungsgespräche [Maßnahme], um die Selbstwirksamkeit der Schüler:innen zu stärken [Ziel].“
deduktiv„Wir stärken die Selbstwirksamkeit der Schüler:innen [Ziel], indem wir wöchentliche Lernentwicklungsgespräche etablieren [Maßnahme].“

2 · SMART — Ziele erreichbar, Maßnahmen messbar

Die SMART-Formel muss nicht zwingend schon auf Ziele, unbedingt jedoch auf Maßnahmen angewendet werden.

KriteriumAuf ZielebeneAuf Maßnahmenebene
SpezifischLeitziele dürfen zunächst Minimalkonsens sein.klar und konkret benannt
Messbarschwieriger, aber Indikatoren nötigklare Indikatoren für Erfolg
Akzeptiertmuss erstrebenswert seindarf auch „notwendiges Übel“ sein
RealistischPasst die Maßnahme nicht zum Ziel, ist es die falsche Maßnahme — und umgekehrt.
Terminiertkurz-/langfristig, einmalig/wiederkehrendklarer Anfang und klares Ende
Wirkung & Auswirkung: Output = das beabsichtigte Ergebnis (z. B. ein verschriftlichtes Leitbild). Outcome = die kaum antizipierbare Auswirkung (z. B. mehr Verbundenheit mit der Schule).

3 · Analyse, Priorisierung, Verantwortung

BODI-Inventur

Bewahren (was wirkt, beibehalten) · Optimieren (effektiver/effizienter) · De-implementieren (Unwirksames abschaffen) · Innovieren (Neues einführen). Hilfreich: Best Practice beobachten (Hospitation, Job Shadowing) und Next Practice entwickeln (Netzwerke, Communities of Practice).

Priorisieren

Punkteabfrage, BODI-Eisenhower-Matrix, Action-Priority-Matrix oder Systemisches Konsensieren (Widerstandspunkte statt einfacher Mehrheit).

VMIC — Rollen klären

Verantwortung (verantwortet Ge-/Misslingen) · Mitarbeit · Information · Controlling. „Eine Maßnahme ohne Zuständigkeit ist wie ein Auto ohne Fahrer.“

4 · Operative Umsetzung & Steuerung

Werkzeuge

  • PDCA-Zyklus: Plan – Do – Check – Act
  • VMIC-Tabelle: Rollen je Maßnahme
  • SCRUM-Elemente: Backlog – Rollen – Iterationen – Sprints
  • Kanban-Board: To Do – Doing – Done

Begleitung der Umsetzung

  • nicht Aufgabendelegation, sondern Verantwortungsübertragung
  • nicht Kontrolle, sondern Unterstützung
  • nicht Rechenschaft, sondern Transparenz
  • Empowerment-Leadership: Sinn, Selbstbestimmung, Einfluss, Kompetenz
  • turnusmäßige (nicht anlassbezogene) Meetings
Reflexion & Impuls

Mitschrift

Planung & Checkliste

BODI-Inventur

Maßnahmen-Formulierer

Wir …

Maßnahmenplan

Pro Maßnahme: SMART denken, Verantwortung und Messung festlegen, Status im Kanban-Sinn pflegen.

Maßnahme (indem …)Verantwortlich (V)Beteiligte (M)RessourcenFristIndikator / MessungStatus
Maßnahmen digital planen und steuern — ISH-Tool zur Maßnahmenplanung: tools.ish-gruppe.de

Checkliste · Von der Maßnahme zur Umsetzung

Kapitel 3

Qualität durch Evaluation

Daten erfüllen keinen Selbstzweck. Sie dienen evidenzbasierter Unterrichts- und strategischer Schulentwicklung — und schließen den Kreis: Aus Ergebnissen werden neue Ziele und Maßnahmen.

Info & Wissen

Wozu datengestützte Schulentwicklung?

Wir nutzen kognitive Daten (fachliche Leistungen) und nicht-kognitive Daten (Wohlbefinden, soziale Eingebundenheit). Daten dienen u. a. evidenzbasierter Unterrichtsentwicklung, diagnosegeleiteter Lernförderung, strategischer Schulentwicklung, Personalentwicklung sowie Controlling & Monitoring.

1 · Bevor Daten erhoben werden — Planung

Erkenntnisinteresse
Was wollen wir wissen?
Zielgruppe
Von wem holen wir Daten ein?
Grundlage
Welche Art von Daten? (Akzeptanz, Kompetenz, Performanz …)
Methode
quantitativ/qualitativ, anonym/personalisiert
Partizipation
Welche Form der Mitgestaltung ist vorgesehen?
Design
Befragung, Interview, Beobachtung, Test?

Gütekriterien für Befragungsinstrumente

  • Aussagen statt Fragen; Skalierung, Multiple Choice oder Freitext bewusst wählen.
  • Skalenbreite mit/ohne „unverfängliche Mitte“ bzw. Enthaltung — und Gleichabständigkeit.
  • Konsistenz der Polung; invertierte Items reduzieren den Ja-Sager-Effekt (saubere Rekodierung nötig).
  • Eindimensionalität — keine Doppelfragen mit „und“/„oder“.
  • Beteiligungsquote sichern (hoher Rücklauf).

2 · Nachdem Daten erhoben wurden — Auswertung

  • Wer wertet aus? Heterogene Gruppe, Evaluations-/Statistikexpertise, Confirmation Bias bedenken, ggf. externe Instanz.
  • Wie wird ausgewertet? analog, digital, mit KI.
  • Worauf fokussieren? Stärken/Schwächen, Mehrheit/Ausreißer, Erwartetes/Überraschendes.
  • Welche offenen Fragen leiten wir ab — und wie dokumentieren wir?
Der Kreis schließt sich: Aus den Ergebnissen leiten wir Hypothesen, Ziele und Maßnahmen ab, treffen Entscheidungen, verteilen Verantwortung, unterstützen die Umsetzung — und messen erneut die Wirkung (PDCA).
Reflexion & Impuls

Mitschrift

Planung & Checkliste

Befragungs-Navigator

Befragungen mit dem Befragungs-Navigator umsetzen — ISH-Schulentwicklungs-Tools: tools.ish-gruppe.de

Auswertungs-Plan

Wirkungs-Check (Output → Outcome)

Checkliste · Gutes Befragungsinstrument

Transfer & Planung

Vom Impuls zur wirksamen Schulentwicklung

Schulentwicklung ist ein Kontinuum. Dieser Abschnitt bündelt die Reflexion über den Dreischritt hinweg und hilft, konkrete nächste Schritte in den eigenen Teamstrukturen festzulegen.

Standortbestimmung

Wo stehen wir aktuell?

Roter Faden

Ein Vorhaben über alle drei Ebenen

Verknüpfen Sie ein zentrales Vorhaben durchgängig von der Zielsetzung bis zur Wirkungsmessung.

Nächste Schritte

Unsere nächsten drei Schritte

Weiterführende Infos & Werkzeuge

Tipp: Sichern Sie Ihr ausgefülltes Workbook über Export und teilen Sie die Datei im Team (Steuergruppe, Schulentwicklungsteam) — oder speichern Sie es per PDF für die Schulleitung.